Additive Farbmischung,
Komplemantärfaben liegen
sich im Farbkreis gegenüber

 

 

 

 

 

 

 


SW-Aufnahme mit Rotfilter
 

Licht, Farbe, Filterwirkung

Farbe    Reflexion    Farbmischung  
Filterwirkung




Licht, Wellenlänge und Farbe

Licht ist ein physikalisches Phänomen mit vielen Facetten. Es breitet sich mit unvorstellbar hoher Geschwindigkeit aus und transportiert Energie – auch durch völlig leeren Raum. Licht kann „durchsichtige" Materie durchdringen, dabei von seinem geraden Weg abgelenkt, diffus oder gerichtet reflektiert, absorbiert und in seiner „Farbe" verändert werden. Licht hat Generationen von Physikern beschäftigt und Astronomen die Geheimnisse des Weltalls in Entfernungen verraten, die weit außerhalb unserer Reichweite und Vorstellungskraft liegen. Licht ist das Medium, mit dem wir uns „ein Bild machen".

Das Wesen des Lichts ist so komplex, dass wir zwei verschiedene physikalische Modelle brauchen, um uns seine teilweise widersprüchlich erscheinenden Eigenschaften zu erklären: Licht kann sich verhalten, als bestünde es aus winzigen durch den Raum flitzenden Kügelchen („Photonen"), die beim Aufprall auf Materie Wirkungen wie den „Photoeffekt" hervorrufen, auf dem die Funktionsweise des Belichtungsmessers beruht. In anderen Situationen jedoch verhält sich Licht wie eine sich kugelförmig im Raum ausbreitende Wellenerscheinung, die aus ineinander verwobenen, rechtwinklig zueinander schwingenden elektrischen und magnetischen Feldern besteht. Die Zahl dieser Schwingungen pro Sekunde (Größenordnung um 600.000.000.000.000) ist ebenso unvorstellbar wie die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts (knapp 300.000 km pro Sekunde). Dagegen können wir uns die Wellenlänge dieser Schwingungen schon eher vorstellen: ca. 380 nm bis 750 nm (Nanometer) oder rund 1/2000 Millimeter. Verschiedene Wellenlängen nehmen wir als verschiedene Farben wahr, die kürzesten als Violett, dann Blau, Grün, Gelb, Orange, Rot und die längsten als Purpurrot. Und weißes Licht ist nichts anderes als eine Mischung aller dieser Farben in dem Verhältnis, wie es die Sonne ausstrahlt.

Weitere physikalische Hintergründe

 

Reflexionseigenschaften definieren die Objektfarbe

Ein von Licht getroffener Gegenstand kann das Licht (fast) vollständig, teilweise oder (fast) gar nicht reflektieren. Reflektiert er alle Wellenlängen bzw. Farben gleichmäßig und annähernd vollständig, erscheint uns der Gegenstand weiß. Reflektiert er sie gleichmäßig, aber nur teilweise, so erscheint uns der Gegenstand bei weißem Licht grau, und wenn er (fast) nichts reflektiert, sehen wir ihn schwarz. Die meisten Gegenstände aber reflektieren nicht alle Farben gleich, sondern manche stärker und andere weniger oder gar nicht. Dann erscheint uns die Oberfläche des Gegenstandes nicht mehr weiß oder grau, sondern farbig, normalerweise in einer „Mischfarbe".

 

Additive und subtraktive Farbmischung

Das in seine Farbbestandteile aufgefächerte weiße Licht nennt man sein Spektrum; in der Natur können wir es im Regenbogen sehen. Die Regenbogenfarben sind reine Farben, denn jede ist durch eine bestimmte Wellenlänge charakterisierbar. Dagegen muss ein beispielsweise grüner Gegenstand nicht unbedingt nur das Grün einer Wellenlänge oder eines engen Wellenlängenbereichs reflektieren. Er könnte auch Purpur absorbieren und die übrigen Spektralfarben mehr oder weniger stark reflektieren. Dieses Farbengemisch empfinden wir ebenfalls als Grün. Wenn wir diesem Mischfarben-Grün das fehlende Purpur wieder hinzufügen, sehen wir erneut Weiß. Wir bezeichnen solche gegensätzliche Farben, die einander zu Weiß ergänzen, als Komplementärfarben. Andere Beispiele sind Gelb/Blau oder Rot/Cyan.

Wenn farbiges Licht so zu farbigem Licht addiert wird, handelt es sich um „additive Farbmischung". Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein rot und ein grün leuchtender Scheinwerfer eine Bühne beleuchten und wir dort, wo das Licht beider zusammenfällt, gelbes Licht als Summenfarbe sehen.

Wenn wir aber Farbstoffe miteinander mischen oder Farben übereinander malen oder drucken, geschieht etwas anderes: Jeder Farbstoff absorbiert den zu seiner Eigenfarbe komplementären Anteil, nimmt also vom weißen Licht etwas weg, so dass weniger Licht reflektiert wird als von jeder Farbe allein. Diese Farbmischungsart heißt deshalb „subtraktiv". Mischen wir wieder Rot und Grün, aber auf diese Art zum Beispiel mit Wasserfarben „subtraktiv", wird die Mischung nicht wie bei den Scheinwerfern heller als jede Einzelfarbe und gelb, sondern dunkler und bräunlichschwarz.

 

Die Wirkung von Farbfiltern

Ein farbiges Filterglas absorbiert vom einfallenden (weißen) Licht einen gewissen Anteil seiner Komplementärfarbe und lässt den Rest hindurchtreten. Ein fotografisches Gelbfilter beispielsweise schluckt einen Teil des blauen Lichts und lässt den Rest, der eine Mischung aller anderen Farben ist, gelblich wirken. Es gibt für gewisse technische Anwendungen aber auch „strenge" Gelbfilter (Bandpassfilter), die nicht nur einen Teil des blauen Lichts, sondern alles außer Gelb absorbieren. Fällt bei einem fotografischen Gelbfilter für Schwarzweißaufnahmen statt weißen Lichts farbiges Licht durch das Filterglas, wird aus dem bunten Gemisch ein Teil von dessen blauem Anteil, sofern vorhanden, absorbiert und der Helligkeitseindruck somit verändert. Durch ein Gelbfilter fotografiert, wird der blaue Himmel deutlich dunkler, grünes Laub und Gras mit geringem Blauanteil verändern sich kaum in ihrem Grauwert, gelbe oder orangefarbene Blüten ohne Blauanteil können keine Helligkeit verlieren und wirken daher relativ zu den anderen, in dunkleres Grau umgesetzten Farben aufgehellt.

Ein Filter vor dem Objektiv reduziert deshalb je nach seiner Dichte die Gesamthelligkeit, was bei der TTL-Belichtungsmessung moderner Kameras aber automatisch berücksichtigt und korrigiert wird.

 

Fortsetzung: Filtertechnologie


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